06 November 2006

Keine Insel mit zwei Bergen

Eine Initiative des British Tourism Board, Klimawandel (in GB als Thema grade sehr en vogue), ein Atlantik-Alltime-Hoch oder schlichter Zufall:

Um "englischen" Wetters ansichtig zu werden und wenigstens einen Hauch von Nebel zu kriegen, muss man sich doch glatt von der Insel wieder nach Deutschland verfügen: Über 2 Wochen Dauersonne bei strahlend blauem Himmel. Da hätte ich ja auch gleich auf Hawaii bleiben können ... ;)
Womit mal wieder was zum Thema k.e.s Luxusproblemchen gesagt wäre.

Ein kleiner Reisebericht vom Inselreich würde es jetzt natürlich auch tun, aber was es zu erzählen gibt, glaubt sowieso niemand: Derart klischeekonform und wie aus einer lupenreinen BBC-Verfilmung war das, dass es total unglaubwürdig wirken würde.

Oder nimmt mir irgendjemand Tweed tragende Landadlige, die schon vormittags auf Fasanenjagd gehen, einen leibhaftigen Chauffeur namens James(!) oder 400 Meilen ununterbrochen schnucklige, heckenumsäumte Miss-Marple-Landsträßchen am Stück ab? Eben.

Aber vielleicht wenigstens einen Tipp so unter Endverbrauchern:
Sainsbury Red Label - die Teebeutel-Massenware aus dem Supermarkt kommt auf süddeutsches Wasser geschmackshalber unvergleichlich viel besser als der teepolitisch korrekt lose und xfach so teure "Darjeeling Superb" vom erlauchten Fortnum & Mason.

11 Zweitstimme(n):

6/11/06 20:47, Anonymous simplex schreibt:

Englische Teebeutel kenne ich nur vom hiesigen Pub: braune flach=runde Dinger ohne Faden, tiefbitteres Gebräu, ohne Milch reines Gift, aber von erheblicher Hallo-wach-Wirkung. - Nichtsdestoweniger herzlich willkommen in der Heimat!

 
6/11/06 21:52, Blogger kein einzelfall schreibt:

Auch hier nochmal dankeschön.
Geschmacklich mag die Darreichungsform des teeinhaltigen Warmgetränks anfechtbar sein, aber Sie haben die schöne Gewissheit einer authentischen Gaststätte im Geiste Albions. ;)

 
6/11/06 22:16, Blogger undundund schreibt:

ja frau k.e., wellkamm bäck, wie man so schön auf neudeutsch saacht!

 
6/11/06 22:54, Blogger Oles wirre Welt schreibt:

Nachdem ein Freund von mir beim Schulpraktikum in einem Vorort von London im Tiefkühlhaus von Sainsbury's eingesperrt worden ist - ob wider besseres Wissen oder dank übelsten Hintergedanken -, stehe ich den Erzeugnissen dieser Kette ja vergleichsweise skeptisch gegenüber. Ich werde aber gern mal probieren, sollte sich mir eine Kanne mit entsprechendem Inhalt offerieren. Auch wenn ich als Ostfriese und großer Teefreund dem Beuteltee schlechthin ja sehr kritisch gegenüber stehe. Im Gegensatz zu Beuteltieren. :)

 
6/11/06 23:15, Anonymous Gwyneth Molesworth schreibt:

Lord Hesketh-Fortescue aus Nether Addlethorpe wäre sehr empört, wenn er Ihrer Teeempfehlung ansichtig werden würde. Schön, dass Sie wieder da sind!

 
7/11/06 08:29, Anonymous nömix schreibt:

Authentischer "really british" Teegeschmack lässt sich angeblich mit kontinentalem Wasser gar nicht herstellen. Tatsächlich führt die Entourage der englischen Queen bei Auslandsreisen stets einen Tank mit original britischem Brackwasser zur Teezubereitung mit sich, weil Ihrer Majestät der Tee mit fremdem Wasser nicht mundet.

 
7/11/06 10:01, Anonymous eon schreibt:

Als gelbzähniger Massenverbraucher schwarzen Aufgusses kann ich mir leider nur die Kiloware aus dem Teeladen gegenüber gönnen. Und das wird schon eines Tages mein Ruin sein...

Schön, dass Du wieder da bist.

 
7/11/06 11:31, Anonymous Erasmus von meppen schreibt:

Ich glaube das unbenommen. Als Kind wäre ich so gerne im Praxisteam von "Der Doktor und das liebe Vieh" gewesen, als dritter Bruder von Siegfried und Tristan - vielleicht als Fafner Farnum.

 
7/11/06 12:37, Anonymous Mlle Händel schreibt:

Bei einem Gespräch mit dem Leiter des Londoner Teemuseums vor ein paar Jahren geriet dieser ob der ostfriesischen Teekultur ins Schwärmen und konnte über die teebeuteltrinkenden Briten nur sehr sorgenvoll den Kopf schütteln.
Den Tweed und den ganzen Kram glaub ich übrigens sofort.

 
7/11/06 15:07, Blogger kein einzelfall schreibt:

@andandand: Auch schönen Dank.
Frappierend übrigens, wie nah sich das Neudeutsche und das Altenglische sind, ist es nicht?

@ole: Der Freund hat es doch sicher überlebt, so dass wir einfach mal weiter von frischer Coolware der Firma S. ausgehen dürfen?!?
Die Friesen- dürfte für den Beutel in der Tat auch die Härte-Probe sein. Ihr neigt ja in der Hinsicht eher zum Weitwurf denn zum Trunk. ;)

@Gwyneth: Meine Befte, Fie haben ja foo Recht. Beutel? Abyfmal!
(danke auch :) )

@nömix: Ähnliches vernimmt man vom schottischen Single Malt. Wie die Royals und andere es da mit der ambulaten Zubereitung halten, ist allerdings nicht so ganz klar. Stichwort Lagerzeit.

@eon: Geographisch gesehen, liegt bei Berliner Tee der Verdacht von Samowar nah ... ;)
(thank you, too)

@erasmus: Als Drache beim Veterinär? Ob das nicht zuviel Unruhe schüfe? Wo Siegfried sowieso schon so cholerisch daherkommt ...

@mlle händel: Danke. Ich hätte sogar Beweisfotos.
Was den Teekonsum angeht - der schon seit Jahren beobachtbare Trend zur Kaffeekultur scheint weiterzugehen. Selbst auf dem einsamsten Landsitz steht bei den Tea&Coffee Making Facilities eine Cafetiere. Was nicht schlecht sein muss. Dass der dazugehörige, vakuumverpackte Kaffee vorgemahlen ist, beweist dann aber doch, dass es bis Italien oder Österreich doch noch ein Stück ist.

 
9/11/06 19:58, Blogger Oles wirre Welt schreibt:

Hier lohnt es, zu differenzieren: Gerade wegen der ost(!)friesischen Abneigung, sich mit vergleichsweise schwachbrüstigen und qualitativ kaum ansprechenden Beuteltees abzugeben, wird der Teebeutel nur zum (Weg)Werfen benutzt. Stattdessen wird der Tee, frisch und lose aus der Dose, direkt im Filter, dem Tee-Ei oder der Tee-Zange gebrüht und hektoliterweise gern getrunken. :)

 

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