25 Mai 2006

Sintflut & doofe Käsenamen

Sie können einem viel erzählen, die Erwachsenen: Da biste als Sechssiebenjährige extrastolz auf deine Lesekenntnisse und bringst die bei jeder Gelegenheit an, und dann kommt diese Fernsehwerbung für Camembert, die alles Gelernte kaputtmacht: Laut und deutlich steht da Caprice de Dieux, aber alle sagen sie Kapriehß dödjöh. Das soll dann Französisch sein und "Laune der Götter" bedeuten.
Sowas Blödes.

Einen Beweis für den launischen Käse liefern natürlich die antiken Griechen:

Prometheus war der Menschen-Macher; er hat sie aus dem Matsch, der nach dem Kampf der Titanen und dem Mord an Zagraios übrig geblieben ist, geformt und nimmt sie immer gegen den Göttervater Zeus in Schutz.

Der ist eines Tages nach einer Affäre mit einer Sterblichen mal wieder so wütend auf die Erdlinge, dass er beschließt, sie endgültig abzuschaffen. Dabei denkt er an Feuer und einen Weltenbrand, befürchtet dann aber, solche Riesenflammen könnten zum Olymp hochschlagen und auf den Götterhimmel übergreifen. Weshalb er sich für eine gigantische Flut entscheidet. Olympisches Hochwasser scheint Zeus nicht als Problem zu sehen.

Prometheus bekommt die Pläne mit und will sich sein Projekt Menschen nicht kaputtmachen lassen. Er kann Apollo, einen Sohn von Zeus, der aus Prinzip immer in Opposition zum Alten geht, für seine Sache gewinnen und mit ihm zusammen den Götterchef zu einem Deal überreden: Die drei Götter werden unerkannt einen Tag bei den Menschen verbringen, und wenn unter denen zwei leben, die wirklich gut sind, wird Zeus dann nochmal ein Auge zudrücken und doch keine Flut schicken.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Tag auf der Erde bringt nur schlechte Erfahrungen mit diesen Menschen. Die als einfache Reisende auftretenden Götter werden belogen, abgezogen, angenörgelt, ignoriert ... Zeus sieht sich bestätigt und will wieder zurück, Prometheus muss ihm Recht geben und so sind sie fast auf dem Weg zurück in den Olymp, als sie - wie im Grimm'schen Märchen ;) - an einer einfachen Hütte vorbeikommen.
"Letzter Versuch", bettelt Prometheus.
"Na gut", meint Zeus, schon in Siegerlaune.

Die drei klopfen und werden eingelassen: Ein altes Ehepaar bittet die Reisenden, wie in Griechenland heute noch üblich, ohne Fragen zu Tisch und das bescheidene Abendessen wird geteilt. Prometheus und Apollo freuen sich und schauen triumphierend zu Zeus. Darauf fragt der offensichtliche Anführer der drei Besucher die Gastgeber, ob das bisschen Käse, Oliven und Brot denn alles sei, und ob sie nicht noch Fleisch hätten und besseren Wein als das servierte dünne Zeug.

Die beiden Alten antworten, sie seien halt arm, und da wäre nur noch die Ziege im Garten. "Na los, schlachten, braten", findet der Boss, und zum Braten dann bitte den Wein, der für besondere Gelegenheiten da sein müsste. Prometheus beobachtet besorgt die beiden Rentner und sieht seine Felle davonschwimmen, aber: Brav wird die Ziege geschlachtet, gebraten und dazu die besondere Flasche ausgeschenkt.

Nach dem Essen, so der griechische Brauch, stellt man sich dann vor. Und hier sieht Zeus seine letzte Chance:
"Das ist Baucis, meine Frau, und ich bin Philemon", stellt zuerst der Alte vor.
"Ich bin Zeus, und das sind Apollo und Prometheus", so der Gott, und hofft auf höhnische Lacher der beiden Menschen. Aber die glauben, was sie da hören, und zeigen sich demütig.

Prometheus freut sich schon, denn dieses Verhalten muss doch selbst den Götterchef beeindrucken. Tut es auch. Doch der ist ein schlechter Verlierer und kann es nicht zugeben. Also eine letzte Falle: Er gewährt den beiden Alten einen Wunsch. Man kennt das ja, Geld werden sie wollen, die Habenichtse, Ruhm, ewige Jugend, immer dasselbe ... Einfältiges Pack.

"Herr, wir sind 60 Jahre verheiratet, 2 davon waren wir richtig glücklich, 40 davon haben wir uns gestritten, und die restlichen haben wir uns so aneinander gewöhnt, dass wir nicht mehr ohne einander können - unser Wunsch ist es, dass keiner den anderen allein zurücklassen muss."

Bingo!

Prometheus und Apollo schauen zu Zeus, der jetzt nicht mehr anders kann und Philemon und Baucis ihren Wunsch zusagt, und die Götter verlassen die Hütte, zurück in Richtung Olymp. Prometheus freut sich und meint nicht ohne Stolz zu Zeus: "Siehst Du, es leben tatsächlich zwei, die in Ordnung sind. Du brauchst also keine Flut zu schicken." Zeus, sich in Richtung Hütte umdrehend und mit einem mafiösen Lächeln: "Ach ja?". Prometheus und Apollo folgen seinem Blick: Auf der Bank vor der Hütte sitzen Philemon und Baucis, friedlich eingeschlafen, eingeschlafen für immer.

Es leben also keine zwei, die gut sind.

Und im Hintergrund sieht man die ersten schweren Regenfluten losbrechen ...

[Interne Notiz: Unbedingt erwähnen, Kunsthistorisches Museum Wien und Michael Köhlmeier feat. Homer unschlagbar]

5 Zweitstimme(n):

25/5/06 22:28, Anonymous french kiss schreibt:

Oh, die beiden kenne ich auch ! Aber eigentlich hat die Geschichte ein schöneres Ende, nicht wahr. Ein richtig nett ökologisches... :-)
Besondere Streiche der deutsch-französischen Art kann einem nach Deutschland importierten Franzosen eine Frischkäsebeschreibung namens "fines herbes" machen. Das klingt dann fast lateinisch.

 
26/5/06 10:58, Blogger F schreibt:

Käsenamen also.

 
26/5/06 11:18, Anonymous Anonym schreibt:

super erklärung für das wetter, das ist echt käse !

 
26/5/06 13:57, Blogger kein einzelfall schreibt:

@french kiss: Ihre Variante ist bestimmt die mit 2 Bäumen, 2 Göttern, 1 Gans und 0 Flut und viel optimistischer. :)
Die "fines herbes" klingen irgendwie nach herben Geldstrafen.l

@kleinesf: Mit einer kleinen Mozzarella oder einem aufgeweckten Manchego lässt sich beim Standesamt bestimmt punkten.

@anonym: Für Dauerregen(?) gibt's den Käse korrekterweise im Pluiral.

 
26/5/06 16:22, Anonymous Anonym schreibt:

Baby Bel !

 

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