15 Mai 2007

Spiel ohne Grenzen

Klavier-Spiel ohne Grenzen, um genau zu sein. Gäbe es die Grenze nicht, könnte ich nämlich spielen. Womit wir bei der neulich breit angekündigten Geschichte mit den Elefanten wären.

Auch wenn es tote Elefanten sind. Oder auch nur ein toter Elefant. Jedenfalls liegt es am elefantösen Gebein, dass zwar die gesamte bewegliche k.e.'sche Habe umgezogen ist (der hiesige Fachausdruck hört auf den verniedlichenden Namen zügeln), das Klavier aber noch in der deutschen Ex-Wohnung steht.

Telefonat mit der Spedition:
Ich: "rhabarber rhabarber ... 75cm tief, Datum variabel, Treppenhaus ok, ..."
Der Spediteur: "Ja, das könnten wir dann je nach Beiladungsmöglichkeit in den nächsten 3 Wochen machen. Nur noch als letzte Frage: Wie sieht es mit der Zietesbescheinigung aus?"
Ich: "Mit welcher Bescheinigung bitte? Meinen Sie die Umzugsbestätigung vom Zoll?"
Der Spediteur: "Nein. Ich meine CITES, die Bestätigung nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen."
Ich: "Für ein Klavier?"
Der Spediteur (offensichtlich durch keine bürokratische Spezialität mehr aus der Fassung zu bringen): "Ja, wenn das Instrument Elfenbeintasten hat, und die hat es ja, wenn es älter als 20 Jahre ist, dann brauchen wir diese Bescheinigung vom Grenztierarzt. Er muss feststellen, ob der Elefant, von dem das Elfenbein stammt, gesund war."

Nicht nur, dass das natürlich extra kostet, dass man genau zu einer bestimmten Zeit an der Grenze aufschlagen muss, um den Termin mit dem Veterinär zu halten - es weiß auch keiner zu sagen, was passiert, sollte der betroffene Elefant (im akuten Fall tot seit 1922) sich als krank gewesen herausstellen.

Muss das delinquente Klavier 10 Jahre in Quarantäne? Wenn ja, am Ende vielleicht zurück nach Afrika? Und was ist mit den Ebenholz-Tasten? Hat nicht auch der Ebenbaum ein Recht auf posthume Diagnose?

Im nächsten Leben wird also Blockflöte gespielt, und nächste Woche nochmal mit der Spedition telefoniert. Vorher vielleicht auch noch ganz anonym unverbindlich mit einer anderen Zollstation. Um keine schlafenden Hunde zu wecken. Artenschutz, Sie verstehen.

7 Zweitstimme(n):

15/5/07 22:38, Blogger Rabe schreibt:

Ja, das sind die Tage, an denen ein Blechinstrument Sympathiepunkte gewinnt … Können Sie für den armen Elefanten nicht Störung der Totenruhe geltend machen, jedenfalls für den Teil, der seit geraumer Zeit in Ihrem Klavier ruht?

 
15/5/07 23:28, Blogger kein einzelfall schreibt:

@frau rabe: Hervorragender Punkt - den sollte man unbedingt juristisch klären lassen. Wobei ich im Moment die Zweitsorge habe, dass das gute Stück vielleicht auch noch eine STASI-Unbedenklichkeitsbescheinigung braucht, stammt es doch aus einer Manufaktur in Meißen.

 
15/5/07 23:46, Anonymous simplex schreibt:

Bei meinem letzten Schweiz-Besuch haben sie mich so inbrünstig nach Handfeuerwaffen durchsucht, dass ich schon bedauerte, keine bei mir zu haben. Helvetiens Grenzer sind seit dem Untergang der DDR führend in der Welt - hier wird die Vorschrift noch ernst genommen, hier darf man sich ganz, ganz sicher fühlen.

Übrigens, was würde der eidgenössische Zoll vor dem Hintergrund des Elefantenpianos wohl mit naturdarmbespannten Tennisschlägern veranstalten?

 
16/5/07 07:23, Anonymous Bazi-ND Opa schreibt:

Ich las einmal, alles was man in der Schweiz tun könne, sei, einen Stein sehr lange den Berg hinabrollen lassen. Aber selbst das sei polizeilich verboten.

Wir werden es schmuggeln müssen. Sollen wir schon mal mit Tarnfarbe und Pinsel loslegen? Vorschlag: Tresor in oliv.

 
16/5/07 11:48, Anonymous mlle händel schreibt:

Gute Blockflöten älteren Datums haben bisweilen auch Elfenbeinverzierungen, also nicht vorschnell das Instrument wechseln.

 
16/5/07 16:38, Blogger undundund schreibt:

frage: wie stellt der veterinär fest, ob die tasten bzw. der elefant gesund sind / waren? wird da eine speichelprobe entnommen?

 
16/5/07 21:41, Blogger kein einzelfall schreibt:

@simplex: Das dürfte inzwischen besser geworden sein - ich bin das Fleisch gewordene Beispiel dafür, dass die Confoederatio Helvetia inzwischen jeden reinlässt (es sei denn, er ist aus Elfenbein)... Mit DDRness sollten Sie beim nächsten Besuch also nicht mehr konfrontiert werden. Es sei denn, Sie reisten in Mission der Catgut Society

@konspirations-opa: Prima Idee! Die Fortsetzung des Erfolgsmodells Troja mit verbesserten Mitteln - dank des Olivanstrichs kommt keiner drauf, dass das hölzerne Teil gar kein Pferd ist. Oder so ähnlich.

@mademoiselle: Guter Hinweis, danke. Damit erklärt sich auch, warum Leute von heute bevorzugt mit dem iPod musizieren. Tierisch unbedenklich.

@undundund: Auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, wird das einzig Gute daran sein, falls es nicht klappen sollte, den Klangkörper doch noch irgendwie artenschutzlos zu exportieren. Am Ende isset wahrscheinlich bloß ein öder Lakmustest: "Alles rot! Das ist gefährlicher Zahnbelag!!".

 

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