03 Juni 2006

Hollywood-Anruf

Es gibt Sätze, von denen man denkt, dass sie nur in Filmen vorkommen: "Es ist nicht, wie du denkst", "Folgen Sie dem Wagen", "Ich bin nicht dein Vater" ...

Und dann kommt er, der Tag, an dem man so einen Satz leibhaftig auf dem Anrufknecht hat.

Ein Punkt auf meiner Unbedingt im Leben gemacht haben-Liste war: Im Spiegel stehen. Das lässt sich hinkriegen durch Prominentsein (lieber nicht), Redakteursein (Talentmangel), in-einem-bundesweit-Aufsehen-erregenden-Prozess-vor-Gericht-stehen (auf gar keinen Fall). Oder aber in der kleingedruckten Version - durch Leserbriefschreiben. So getan, ging glatt durch, wurde veröffentlicht.

Das muss damals eine ziemlich narzisstische Phase gewesen sein, jedenfalls wollte ich mich seinerzeit auch noch im Telefonbuch gedruckt sehen.

Das sich ein unbekannter, der Stimme nach älterer Spiegel-Leser zur Hand genommen hatte, um auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht zu hinterlassen, die mit einer langen Pause anfing und deren erster Satz dann war: "Mein Name tut nichts zur Sache".

9 Zweitstimme(n):

3/6/06 11:32, Blogger undundund schreibt:

spooky.

 
3/6/06 12:14, Anonymous thomas kreuzfahrt schreibt:

hat sich die nachricht nach 20 sec selbst zerstört ?

 
3/6/06 19:24, Blogger kein einzelfall schreibt:

@undsoweiter: You name it.

@herr kreuzfahrt: Hat sie nicht und ruht gut erhalten auf einer Minicassette. Wahrscheinlich weil sie genau gewusst hat, dass sie in keinem Agentenhaushalt landen würde.

 
3/6/06 23:47, Blogger Markus Quint schreibt:

Vielleicht hatte der Anrufer gute Gründe, anonym bleiben zu wollen. Z.B. weil er der Papst oder Franz Beckenbauer war und das anschließende Gestöhne seinen astreinen Ruf beschädigt hätte.

 
6/6/06 12:03, Blogger ramses101 schreibt:

Ich bin ja an sich kein Freund des Leserbriefes, aber so eine Reaktion wäre es mir dann auch wert. Großartig. Hatte er denn wenigstens was zu sagen? Also außer das Päckchen wurde an der alten Eiche deponiert und solche Sachen?

 
6/6/06 15:44, Anonymous eon schreibt:

Wow!
Den könnte man gut beim Anruf im Freundeskreis anbringen. So mal für´n Lacher.

 
6/6/06 16:58, Anonymous Anonym schreibt:

leute, die talentmangel zugeben, haben so einen seltenheitswert: eine spiegelnachricht wert.

 
6/6/06 17:27, Blogger ramses101 schreibt:

Das wusste (natürlich) auch der alte Wilhelm (der Busch, nicht der zwote)

Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich:
So hab ich erstens den Gewinn,
dass ich so hübsch bescheiden bin;
zum zweiten denken sich die Leut,
der Mann ist lauter Redlichkeit;
auch schnapp ich drittens diesen Bissen vorweg den andern Kritiküssen;
und viertens hoff ich außerdem
auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
dass ich ein ganz famoses Haus.

 
7/6/06 19:35, Blogger kein einzelfall schreibt:

@markus_quint: Nachdem es weder Dominus te benedicat noch Jo gut, also, des wor ein Spiel, wo man sagen muss war und mehr in Richtung philosophisch-deutschnational gependelt hat, war es eher ein Prominenter, den keiner kennt ;)

@ramses101: Der Auftakt war leider das Blumigste an der ganzen Sache, danach war's profan: "Wenn Sie diejenige sind, deren Brief im Spiegel zu lesen steht, dann möchte ich Ihnen versichern, ist mir um unser Volk nicht bang." Naja.

@eon: Wenn man denn Freunde hat, die man anrufen kann. ;)

@anonym: Der Talentmangel war eher ein spätere Einsicht.

@ramses101, die zweite: Toll! Fast so gut wie der Wilhelm aus England - und der hat nicht auch noch dazu gezeichnet.

 

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